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Diskussionsforum zur Unendlichkeit: Theismus, Atheismus, Primzahlen, Unsterblichkeit, das Universum...
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Re: Unendlichkeit der Existenz [Re: Harry Potter] #349551
12/08/10 21:38
12/08/10 21:38
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Ich schreib einfach mal weiter in kleiner Schrift grin


Quote:
Weil in einer 2-dimensionalen Kugeloberfläche kann es ja aus Sicht der 2-dimensionalen "Wesen" gar keine Krümmung geben, da eine Krümmung eine 3.Dimension erfordert. Aus Sicht der 2-dimensionalen Wesen ist das Universum also gar nicht gekrümmt, sondern "gerade" - und zwar unendlich weit


Wenn wir schon von Krümmung reden, sind wir ja nicht mehr weit von der Allgemeinen Relativitätstheorie entfernt. Der Riemanntensor, der sozusagen die Krümmung des Raumes beschreibt, hat in n Dimensionen n²*(n²-1)/12 freie Parameter. Das heißt: Im 2-dimensionalen genau... einen (zb den Ricciskalar). Das bedeutet, dass ein zweidimensionaler Raum auch ohne Einbettung in einen dreidimensionalen gekrümmt sein kann*. Das kann man [theoretisch?] auch als Bewohner auf der Kugeloberfläche feststellen: Beispielsweise durch Wegabhängigkeit bei Verschieben von Vektoren bei einem Paralleltransport.

Immerhin können wir ja auch die Effekte der vierdimensionalen Raumzeitkrümmung vermessen (dort gibt's 20 Parameter). Das nennen wir dann aber Gravitation.


*Umgekehrt ist ein eindimensionaler Raum (0 freie Parameter) nie gekrümmt. Auch die Kreislinie, die aufgemalt in der Ebene gekrümmt erscheint, wirkt für die Bewohner dort völlig ungekrümmt.




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Re: Unendlichkeit der Existenz [Re: Error014] #349591
12/09/10 13:25
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@Harry Potter:

Wenn sich das Universum auf einer Kugel ausdehnen würde, und die letzten Galaxien kurz vor dem Äquator stehen würden, dann würden wir merken, dass die Expansionsrate sich verlangsamt, denn die Gravitation, die das Universum wieder zum "Nordpol" bewegt, ist stärker als die zum "Süsdpol", also zum Zielpunkt.
Tatsächlich können wir aber beobachten, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt.

Außerdem würde deine Hypothese nur mit den Beobachtungen übereinstimmen, wenn wir genau auf dem Nordpol wären, was eher unwahrscheinlich ist.
Wenn man jedoch sagt, der Raum selbst dehnt sich aus, als ob wir auf einem Lufballon wären, so sieht sähe es tatsächlich so aus, wie wir es beobachten können, nämlich dass sich weiter entfernte Galaxien schneller entfernen. Das sieht dann aber von jedem Ort so aus.

Die Rotverschiebung hat nichts mit Parallelbewegungen zu tun. Sie entsteht dadurch, dass sich Sterne und Galaxien von uns wegbewegen, und dadurch werden die emmitierten Lichtstrahlen gestreckt.

Quote:
Ehrlich gesagt halte ich nicht viel von solchen Berechnungen. Weil alle unsere Informationen über das Alter oder die Größe des Universums beruhen ja nur auf Annahmen aufgrund von Beobachtungen. Und wie schon oben erwähnt: wer garantiert uns, dass wir wirklich ALLES sehen (beobachten können) und dass die Bewegung der Galaxien voneinander weg, auch wirklich die Bewegung weg vom Punkt des Urknalls ist?! Vielleicht sehen wir ja sozusagen nur die Bewegung der beiden Personen im Zug?! Wir sehen, dass sie sich in einer gewissen Zeit ca. zwei Meter voneinander wegbewegt haben - und schließen daraus, dass das "Waggon-Universum" einen Durchmesser von ca. 2 Metern hat. Dass die beiden Personen sich aber gleichzeitig auch 200 Meter entlang der Schienen bewegt haben, bemerken wir ja vielleicht gar nicht.


Sag nichts gegen Beobachtungen. Sie sind das einzige, was wir haben, um herauszufinden, wie das Universum funktioniert. Die Tatsache, dass ein sich bewegenter Zug im innern nicht anders verhält als ruhende Körper, haben wir auch nur durch Beobachtungen herausgefunden.
Was sich nicht durch Beobachtungen belegen lässt, hat keine größe Wahrscheinlichkeit wahr zu sein. Sonst könnte ja jeder ein Fliegendes Spaghettimonster, ein unsichbares rosafarbendes Einhorn, eine Teekanne im Orbit um die Sonne, oder einen Gott postulieren.

Re: Unendlichkeit der Existenz [Re: Error014] #349661
12/09/10 23:04
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Hallo Lukas,

ich glaube, Du hast mich falsch verstanden?!

Quote:
Wenn sich das Universum auf einer Kugel ausdehnen würde

Nicht vergessen: das mit der Kugel ist natürlich nur eine vereinfachte Darstellung eines 2-dimensionalen Universums. Weil die Form, die unser Universum hat (zumindest nach meiner Theorie), lässt sich ja grafisch nicht darstellen (weil es "von außen" betrachtet 4-dimensional ist).

Quote:
...dann würden wir merken, dass die Expansionsrate sich verlangsamt, denn die Gravitation, die das Universum wieder zum "Nordpol" bewegt, ist stärker als die zum "Süsdpol", also zum Zielpunkt.

Naja, ich ging davon aus, dass es beim "Nordpol" dann gar keine Materie mehr gibt. Weil ja bei der "Explosion" des Urknalls die gesamte Materie in alle Richtungen davongeflogen ist.

Aber das mit der Gravitation ist glaube ich sowieso ein Gedankenfehler von mir gewesen. Ich hab nochmal darüber nachgedacht, und glaube, dass die Gravitation überbewertet wurde. wink Die hat vielleicht gar keine Auswirkung auf die Ausdehnung bzw. Beschleunigung!? Aber dazu später mehr.


Quote:
Außerdem würde deine Hypothese nur mit den Beobachtungen übereinstimmen, wenn wir genau auf dem Nordpol wären, was eher unwahrscheinlich ist.

Nein, da hast Du mich falsch verstanden. Ich habe das ganze mal grafisch dargestellt:


Also am Nordpol ist der Punkt, an dem der Urknall ursprünglich stattgefunden hatte. Von diesem Punkt aus wandern die Galaxien nun mit gleicher (für alle Galaxien einheitlicher) Geschwindigkeit Richtung Äquator, und dann später mal weiter Richtung Südpol. Angetrieben von der "Explosionskraft" des Urknalls. Diese Bewegung von "Norden" nach "Süden" nehmen wir allerdings nicht wahr, da sich die gesamte Materie des Universums in diese Richtung mit gleicher Geschwindigkeit bewegt.

Was wir aber wahrnehmen ist die "seitliche" Bewegung aufgrund der "Raumkrümmung". Die blaue Kugel soll die Erde bzw. unsere Milchstraße darstellen, die roten Kugeln sind andere Galaxien. Diese Galaxien scheinen sich nun alle von uns weg zu bewegen (roter Pfeil). Je weiter sich die Galaxien dem Universums-Äquator nähern, desto weiter entfernen sie sich auch von unserer Erde. Ist der Äquator überschritten, werden sich die Galaxien uns wieder nähern. Bis zum nächsten Urknall. Der hellblaue Bereich soll andeuten, dass wir eventuell nur einen kleinen Teil des Universums wahrnehmen können.

Quote:
Tatsächlich können wir aber beobachten, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt.

Weiß irgendjemand, wie man dieses Schnellerwerden eigentlich gemessen hat? Und werden alle Galaxien gleichmäßig schneller, oder ist es vielleicht so, dass einfach nur weiter entfernte Galaxien schneller sind als nähere Galaxien? Weil das würde dann auch zu meiner grafischen Darstellung oben passen.

Quote:
Sag nichts gegen Beobachtungen. Sie sind das einzige, was wir haben, um herauszufinden, wie das Universum funktioniert.

Ich sag doch eh nichts dagegen. wink Ohne Forschung und Beobachtung wüssten wir gar nichts.
Ich meinte nur, dass man niemals davon ausgehen sollte, dass das was wir beobachten auch wirklich die "Wahrheit" ist, und allgemein gültig ist. Etwas kann jahrhundertelang Gültigkeit haben, und immer wieder mit Messungen bestätigt werden (z.B. die Ausrichtung des Magnetfelds der Erde), und trotzdem kann es dann plötzlich anders sein (z.B. aufgrund eines Polsprungs). Also nur weil es bestimmte Naturgesetze in dem uns bekannten Teil des Universums gibt, heißt das noch lange nicht, dass es diese Naturgesetze im gesamten Universum und bis in alle Ewigkeit gibt.

Re: Unendlichkeit der Existenz [Re: Harry Potter] #349707
12/10/10 15:11
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Quote:
Weiß irgendjemand, wie man dieses Schnellerwerden eigentlich gemessen hat? Und werden alle Galaxien gleichmäßig schneller, oder ist es vielleicht so, dass einfach nur weiter entfernte Galaxien schneller sind als nähere Galaxien?


Kurz mal absolute Grundlagen der allgemeinen Relativitätstheorie (ART). Habs ja schon zweimal wenig erfolgreich hier versucht, das soll dann auch das letzte Mal sein tongue

Krümmung des Raumes verändert die Metrik, also z.B. Längen von Strecken. Die einfachst denkbare Metrik ist die Minkowskimetrik, die man im ungekrümmten Raum (in der Speziellen Relativitätstheorie) verwendet. Sie lautet in für die ART übliche Konvention (Achtung: natürliche Einheiten, d.h. hquer=c=1)

ds^2 = -dt^2 + dx^2+dy^2+dz^2

Das ist praktisch alles, was man über die Spez. Relativitätstheorie wissen muss wink (zusammen mit Lorentztransformationen). Licht bewegt sich auf Kurven, für die stets ds^2=0 gilt. Man kann damit aber auch sofort das Zwillignsparadoxon o.ä. sehen.

Der Raum ist natürlich offensichtlich ungekrümmt. Darum solls jetzt aber erstmal nicht gehen.

Soll sich das Universum im Raum ausdehnen, bedeutet dass, dass Entfernungen mit der Zeit anwachsen. Das können wir durch eine Funktion vor dx, dy, dz modellieren.
Entfernungen verändern sich in alle Richtungen gleichermaßen (isotrop), daher muss vor allen die gleiche Funktion stehen, und überall gleich (homogen), daher darf die Funktion nicht vom Ort abhängen. Also wäre der Ansatz:

ds^2 = -dt^2 + a(t)*(dx^2+dy^2+dz^2)

Rechnet man damit durch, welche Energie eines Photons (=Licht) ein Beobachter zur Zeit t0 misst, so erhält man E = k/a(t0) (wobei k=konstante). Also ist das Verhältnis der Energien von Zeitpunkt des Aussendens t0 zum Zeitpunkt des Messens t1: E(Gemessen)/E(Ausgesandt) = a(Ausgesandt)/a(Messzeitpunkt)
Gemessen wird nach dem Aussenden. Dehnt sich das Universum aus, dann ist a(ausgesandt) < a(Messzeitpunkt), und daher E(Gemessen)<E(Ausgesandt). Also wird das Licht in niedrigenergetische Wellenlängenbereiche (d.h. rote) verschoben. Das ist die Rotverschiebung, die REIN AUS DER AUSDEHNUNG DES UNIVERSUMS hervorgeht. Das ist nicht das gleiche wie eine relative Bewegung der Universen zueinander - nirgends haben wir was von BEwegung gesagt.

Diese Rotverschiebung kann man messen: Misst man nämlich von mehreren Galaxien die Spektrallinien, so stellt man Rot- und Blauverschiebungen fest. Das Problem: Dabei überlagert sich zu diesem Effekt noch echte Relativbewegungen der Galaxien zueinander. Die Hoffnung ist, dass sich diese bei vielen Messungen weitgehend aufheben. Der Faktor, der bleibt, steht im Hubble-Parameter.


Nehmen wir mal an, dass das Universum weitgehend auf großen Skalen (über mehrere Galaxien gemittelt) isotrop und homogen ist. Salopp gesagt: "Sieht überall (homogen) und in alle Richtungen (isotrop) gleich aus". Lediglich in der Zeit ist das nicht so. Dann kann man davon ausgehen, dass der Energieimpulstensor nicht vom Ort abhängt, und die Einsteingleichung, die die Raumkrümmung beschreibt, lösen. Wir erhalten als Ergebnis die Robertson-Walker-Metrik. Achtung: Hier haben wir nicht gesagt, dass das Universum flach ist. Wir haben nur gesagt, dass es überall gleich gekrümmt ist (weil es ja überall gleich aussieht)**. In dieser Metrik kann das Universum auch geschlossen sein, das wäre das vierdimensionale Analogon zu Harry-Potters Kugeloberflächenuniversums.
Auch in dieser taucht ein Skalenfaktor a(t) auf, der praktisch die gleiche Rolle wie oben einnimmt. Man kann durch Einsetzen der Metrik in die Eisnteingleichungen die Friedmann-Gleichungen erhalten. Und aus diesen kommt, dass der oben beschriebene Hubble-Parameter nichts weiter ist als

H = 1/a(t) * (d/dt a(t))

(also Ableitung des Skalenfaktors geteilt durch Skalenfaktor). Diese Größe kann man wie oben beschrieben messen. Sie ist > 0. Also ist die zeitliche Änderung des Skalenfaktors (der nach Definition > 0 sein muss) ebenfalls > 0.
Mit der zweiten Friedmanngleichung kann man dann auch Aussagen über die zweite Ableitung von a(t) treffen, dafür muss man dann aber modellieren:

Je nachdem, ob man nun ein Vakuum-, Strahlungs- oder Materiedominiertes Universum annimmt, erhält man andere funktionale Zusammenhänge für a(t) (die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen).
(Nebenbemerkung: Was passieren kann ist: Das Universum dehnt sich irgendwann schneller als die Lichtgeschwindigkeit aus. Dann können wir grundsätzlich nicht mehr alles um uns herum sehen, weil es sich sozusagen so schnell wegbewegt, dass das Licht uns nicht mehr erreicht (sehr salopp ausgedrückt)).


Konkrete Messverfahren dafür sind aber nicht ganz einfach. Sie können bspw. durch Vergleich der Hintergrundstrahlung durchgeführt werden (geben Infos über die Krümmung des Universums, wodurch wir wiederrum auf die Masseverteilung schließen können). Unabhängig davon ist man ebenfalls zu dem Schluss gekommen, indem man weit entfernte, alte Supernovae vermessen hat.
Das hat dann mit Dunkler Materie/Energie zu tun (vgl. auch kosmologische Konstante). Eine einfache Abschätzung funktioniert bereits durch Massenabschätzung mit dem Virialsatz.




* - Wir wissen, dass die ART nicht komplett stimmen kann (sie widerspricht z.B. der Quantenmechanik). Aber in den Bereichen, über die wir hier reden (mal abgesehen von direkt nach dem Urknall) ist das "gut genug".
** - Ob es überall gleich aussieht oder nicht heißt: Ist das kosmologische Prinzip korrekt?



Soviel zur Minieinführung. Jetzt könnt ihr weiterreden tongue


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Re: Unendlichkeit der Existenz [Re: Error014] #349736
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Originally Posted By: Error014
Soviel zur Minieinführung. Jetzt könnt ihr weiterreden

@Error014: Boah, jetzt bin ich erst mal sprachlos, und muss das alles mal verdauen. grin
Danke für die sehr ausführlichen Erklärungen. Darf ich fragen, was Du beruflich so machst?

Re: Unendlichkeit der Existenz [Re: Harry Potter] #349747
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Ich studier grad Physik - viel andere Möglichkeiten gabs bei so einem Beitrag ja auch nicht mehr grin


Nochmal was zur Vollständigkeit: Sobald wir die Raumkrümmung angesetzt haben, ist die Gravitation aus dem Spiel - die erzeugt nämlich ausschließlich die Raumkrümmung, das was wir als Kraft wahrnehmen ist nichts weiter als genau diese Krümmung. Wir können also nicht mehr sagen, dass sich die Galaxien auf deiner Kugeloberfläche "über den Südpol hinaus" anziehen.
Wirken keine Kräfte, so bewegen sich freie Teilchen auf Geodäten (=kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten, ist *nicht* immer eine Gerade). Es sei denn, du meinst eine andere Kraft (auf dieser Skala wäre dann aber nur noch die elektromagnetische Kraft verfügbar, dann müssten die Galaxien aber geladen sein, oder du postulierst eine neue Kraft, was aber dann durch Beobachtungen gesichert werden müsste - wobei man natürlich irgendwo in fiktiven Geschichten auch mit Realismus aufhören muss :))


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Re: Unendlichkeit der Existenz [Re: Error014] #349760
12/10/10 20:33
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@error: wo? ^^

Re: Unendlichkeit der Existenz [Re: Joey] #349768
12/10/10 21:45
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Du studierst doch auch Physik, meine ich hier mal gelesen zu haben? Offensichtlich in Heidelberg? laugh


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Re: Unendlichkeit der Existenz [Re: Harry Potter] #349780
12/10/10 22:50
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Jap =). Physik ist halt cool. Und wies aussieht fährst du nicht so ganz die experimentelle Schiene wink.

(sorry für OT).

Originally Posted By: Harry Potter
Quote:
Wenn sich das Universum auf einer Kugel ausdehnen würde

Nicht vergessen: das mit der Kugel ist natürlich nur eine vereinfachte Darstellung eines 2-dimensionalen Universums. Weil die Form, die unser Universum hat (zumindest nach meiner Theorie), lässt sich ja grafisch nicht darstellen (weil es "von außen" betrachtet 4-dimensional ist).

Naja, das zieht aber nicht, du kannst nicht zuerst sagen, dass wirs auf einer Kugel betrachten sollen und dann, dass etwas in einer Dimension mehr anderst wäre. Es ist anschaulich nichts anderst, alles was man an der Kugel kritisiert, würde man auch im vierdimensionalen Analogon kritisieren können.

Quote:
Weil ja bei der "Explosion" des Urknalls die gesamte Materie in alle Richtungen davongeflogen ist.

Aber das mit der Gravitation ist glaube ich sowieso ein Gedankenfehler von mir gewesen. Ich hab nochmal darüber nachgedacht, und glaube, dass die Gravitation überbewertet wurde. wink

Die Gravitation würde das sogar belegen, siehe mein letzter längerer Beitrag. Nach deiner Theorie würde sich das Universum langsamer ausdehnen als mit Lichtgeschwindigkeit. Warum? Wenn du sagst, dass wir am Äquator sind und nun die Anziehung vom Südpol (also der anderen Seite) wirkt, muss die Gravitation Zeit gehabt haben, die Strecke zurückzulegen. Das geht auch nur mit c. Explizit hätten wir uns dann langsamer als mit 2/3*c ausgedehnt. Damit würden wir, EGAL wo wir uns befänden, immer den Rand des Universums sehen können, und wie Error schon gesagt hat, hätte die Rotverschiebung eine Grenze - das widerspricht unseren Beobachtungen.

Quote:
Von diesem Punkt aus wandern die Galaxien nun mit gleicher (für alle Galaxien einheitlicher) Geschwindigkeit Richtung Äquator, und dann später mal weiter Richtung Südpol. Angetrieben von der "Explosionskraft" des Urknalls.

Du hast her einen Gedankenfehler. Redest du davon, dass der "Raum" nur auf der momentanen Kreislinie ist, oder ist er bei dir auch noch in Nord-Süd-Richtung? Wäre nämlich die Dimension von Nord nach Süd nicht wahrnehmbar (z.B. die Zeit), so fände eine intrinsische Raumdehnung statt (der Kreis, auf dem sich die Galaxien befinden, wird immer größer). Das versuchst du aber gerade zu widerlegen.

Quote:
Diese Bewegung von "Norden" nach "Süden" nehmen wir allerdings nicht wahr, da sich die gesamte Materie des Universums in diese Richtung mit gleicher Geschwindigkeit bewegt.

Verwirrung. Jetzt ist also doch wieder nur der Raum auf der Kugeloberfläche dargestellt? Wir befinden uns in einem Ring, der sich ausdehnt und dabei über die schon vorhandene Kugeloberfläche wandert. Dieser Ring soll einen kleinen Radius gegenüber seinem Innendurchmesser haben, aber noch so dick sein, dass wir in alle Richtungen den Raum als unbegrenzt sehen. Sprich, der Ring dehnt sich auch in Nord-Süd-Richtung aus, allerdings nur wenig, aber so viel, dass die "Raumdehnung" isotrop wirkt.
Tjaah, es könnte immer sein, dass wir auf einer gigantisch riesigen vierdimensionalen Mannigfaltigkeit sind und uns auf eine Singularität zubewegen.
Das einzige, was dem widerspricht, dass dieser Raum auf der Mannigfaltigkeit schon vorher da ist, ist die endliche Geschwindigkeit im diesem Raum, denn dann wäre überlichtschnelle Ausdehnung nicht möglich und wir würden wieder an den Rand sehen (s.o.)

Quote:
Was wir aber wahrnehmen ist die "seitliche" Bewegung aufgrund der "Raumkrümmung".

Also jetzt 2D oder 3D? Was ist bei dir die Nord-Süd-Achse? Könnten wir theoretisch in die Richtung fliegen oder nicht?

Joey

Re: Unendlichkeit der Existenz [Re: Joey] #349793
12/11/10 01:12
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Originally Posted By: Joey
Originally Posted By: Harry Potter
Nicht vergessen: das mit der Kugel ist natürlich nur eine vereinfachte Darstellung eines 2-dimensionalen Universums...

Naja, das zieht aber nicht, du kannst nicht zuerst sagen, dass wirs auf einer Kugel betrachten sollen und dann, dass etwas in einer Dimension mehr anderst wäre. Es ist anschaulich nichts anderst.

Ich habe doch gar nicht gesagt, dass es anders ist. Ich wollte mit diesem Satz ja nur alle anderen hier im Forum darauf hinweisen, dass man nicht den Fehler machen darf, bei diesem (um eine Dimension reduzierten) Kugel-Beispiel 3-dimensional zu denken. Weil es eben nur die Darstellung eines 2D-Universums ist. Der einzige Unterschied zu unserem Universum ist, dass bei uns dann noch eine Dimension dazu kommt.


Originally Posted By: Joey
Wenn du sagst, dass wir am Äquator sind und nun die Anziehung vom Südpol (also der anderen Seite) wirkt

Davon bin ich ja, wie ich weiter oben geschrieben hatte, wieder abgekommen. wink
Ich denke, die Bewegung der Materie im Universum zum "Südpol" hin wird nicht von der Gravitation beeinflusst. Sondern die Materie wurde beim Urknall beschleunigt, und wandert nun mit konstanter Geschwindigkeit Richtung Südpol.


Originally Posted By: Joey
Redest du davon, dass der "Raum" nur auf der momentanen Kreislinie ist, oder ist er bei dir auch noch in Nord-Süd-Richtung?

Der "Raum" ist auch in Nord-Süd-Richtung. Die gesamte Kugeloberfläche ist "Raum". Aber die Materie, die sich in diesem (leeren) Raum befindet, hat die Form einer Kreislinie - oder eigentlich besser gesagt, die Form eines mehr oder weniger breiten Bandes. Beim Urknall wurden ja nicht die gesamte Materie mit exakt der gleichen Geschwindigkeit beschleunigt. Manche Teilchen (Galaxien) eilen voran, manche hinken etwas nach.
Ich stelle mir das ganze wie so einen Explosionsring vor, den man manchmal in ScienceFiction-Filmen sehen kann.
z.B. so:

Und dieser Ring wandert nun vom Nordpol Richtung Südpol, und passt sich dabei von der Breite her an die "Form" des Universums an. Also je näher der Ring zum Äquator kommt, desto größer wird die HORIZONTALE Entfernung der einzelnen Galaxien auf diesem Ring.
Unsere Erde befindet sich ziemlich genau in der Mitte des Ring-Bandes (hat also eine durchschnittliche Geschwindigkeit bei der Bewegung Richtung Südpol). Da einige Galaxien schneller sind, und einige langsamer, entfernen sich diese langsameren oder schnelleren Galaxien ebenfalls von uns (in VERTIKALER Richtung). Das Band wird also auch immer breiter werden, je näher es zum Südpol kommt. Durch die "Form" des Universums rückt die Materie aber trotzdem immer näher zusammen, je näher sie dem Südpol kommt.

In unserem 3D-Universum hätte der mit Materie gefüllte Raum dann die Form einer immer dicker werdenden "Kugel-Hülle" (wie z.B. die Schale einer Orange, die aber im Laufe der Zeit immer dicker wird weil sie sich ausdehnt). Und diese Kugel-Hülle rast zusätzlich zu ihrer Ausdehnung auch noch zum "anderen Ende" des Universums. Oder so ähnlich. grin


Quote:
Was ist bei dir die Nord-Süd-Achse? Könnten wir theoretisch in die Richtung fliegen oder nicht?

Ja, könnten wir. Dann könnten wir in einem Raumschiff auch den nächsten Urknall "überleben" (wenn wir uns auf der gegenüberliegenden Seite des Universums befinden würden). wink

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